Nachhaltigkeit, Demokratie und globales Lernen

Heute wie früher, stellt sich die Frage der Deutungsmacht in Bezug auf das, was als das gute und „normale“ Leben angesehen wird. Der Wirtschaftsstil der industrialisierten Nationen und der damit verbundenen Lebensstil wird als „Normalität „ dargestellt. Nachhaltigkeit stellt diese Normalität in Frage.

Mit dem leichter sichtbar machen können, von Ideen und Gegenentwürfen zur sogenannten Realität, ist eine Bewegung sichtbarer geworden, die mit dem herrschenden Mainstream nicht zufrieden war und ist, und andere Entwürfe zu leben versucht. Teilweise auch aus den Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahrzehnte entstanden.

Das Genre, wo Gesellschaftsentwürfe durchgespielt wurden und werden, die in der Öffentlichkeit nur Missfallen oder Unverständnis ausgelöst hätten, ist das Science Fiction Genre. Ich kann nur enpfehlen sich die eine, oder andere Serie anzusehen.

Manche Entwürfe wie das Grundeinkommen sind nicht neu, sondern wurden in der Historie der Philosophie bereits wiederholt diskutiert.

Die Generation der Kinder der 68iger Generation, meine Generation, ist dabei die Welt neu zu gestalten und sich den Lebenssinn neu zu definieren. Im Gegensatz zur Generation unserer Großeltern, können wir auf einer anderen Lebenssicht aufbauen, da wir in Zentraleuropa und in der sogenannten ersten Welt mit einer Persönlichen Freiheit der Lebensgestaltung aufgewachsen sind, die mehr möglich macht als zuvor.  Die Lebensentwürfe sind nicht mehr von „Natur“ aus vorgegeben. Das birgt Vorteile und Nachteile, den der Einzelne und die Einzelne ist für alles allein verantwortlich. Theoretisch ist alles möglich, solange sich die Individuen innerhalb bestimmter rechtlicher Rahmenbedingungen bewegen. Nachhaltiges Handeln erfordert beides, persönliches und gesellschaftliches Engagement.

In vielen Bereichen werden alternative Lebensentwürfe bereits gelebt. Die sichtbarsten Beispiele sind die „zurück zur natürlichen Ernährung und Nachhaltig Leben“ – Bewegungen. Die Öko-Bewegung die sich inzwischen in Internationalen NGO´s und Grünen Parteien organisiert hat, war und ist maßgeblich an den derzeitig sichtbaren gesellschaftspolitischen Experimenten und Lebensmodellen beteiligt.

Alternative Kommunen und Lebensentwürfe gab es schon immer, vor allem im Bereich des Anarchismus. Die anarchistische Bewegung wurde, da immer systemkritisch, als gewalttätig dargestellt, was bei der Beschäftigung damit  als völlig unzureichende Betrachtungsweise erkennbar ist. Ungeachtet dessen muss festgestellt werden, dass jedwede Veränderung mehr oder weniger gewalttätig ist, bzw. wahrgenommen wird, je nachdem aus welcher Perspektive die Bewertung der Situation erfolgt. Schon Kelsen schrieb das der Staat an sich, autoritär agiert und daher in gewisser Weise gewalttätig sei. Kelsen unterscheidet zwischen persönlicher und politscher Freiheit. Im Kapitel zum Thema Volkssouveränität zeigt er, dass sich die Freiheit von Herrschaft und die persönlich-politische Freiheit innerhalb des Systems ausschließlich im Akt der Wahlen manifestiert, sobald die Wahlen vorbei sind ist der Einzelne wieder politisch unterworfen. Demokratie bedeutet, die Anzahl derer die sich „ausgeschlossen und nicht vertreten fühlen“, möglichst gering zu halten.

Nationalversammlungen suggerieren Beschlüsse mit fiktiver Einstimmigkeit. Tatsächlich aber dominiert die Mehrheit, die mit der „Macht der Eloquenz“ auch ungerechte Maßnahmen durchsetzen kann. Daneben entsteht durch irrationale Vorurteile eine Art „realer Einstimmigkeit“. In diesen Grundkonsens gehen „tausend Motive“ ein, „unabhängig von Vernunft und Evidenz“, wie Godwin am britischen Parlament demonstrierte.

In Theorie und Praxis hat sich gezeigt, dass der Mensch zur gewaltfreien Selbstorganisation ohne Herrschaftsstruktur fähig ist. Als Beispiele größerer Dimension können die anarchistischen und linken Bewegungen in Lateinamerika, Spanien, oder der Ukraine dienen und die Bewegung um Mahatma Gandhi.

Demokratie ist inzwischen die gesellschaftlich anerkannte vorherrschende politische Struktur, aber die Demokratiequalität ist das wesentliche. Es braucht das Demokratiebewusstsein möglichst Aller, um die Gesellschaft im Kleinen – im Kommunalen, wie im Großen – im internationalen Bereich, zu verändern. Ich lasse bewusst das Nationale aus, da es zwar notwendig war um bestimmte politische Strukturen zu ermöglichen und weiterzuentwickeln, finde aber, dass es jetzt im globalen und internationalen Kontext hinderlich ist. Es hat mehr trennendes als verbindendes, und das was globales Lernen ermöglichen kann ist die Verbindung der Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft.

Demokratie braucht ein mehr an persönlichen und gesellschaftlichen Freiräumen, damit Partizipation, Selbstorganisation und Veränderung möglich wird.

Kelsen, Hans (1981): Vom Wesen und Wert der Demokratie, 2. Neudruck der 2 Aufl. von 1929; Scientia Verlag: Aalen

Reuter, Timo (2016): Das bedingungslose Grundeinkommen als liberaler Entwurf. Philosophische Argumente für mehr Gerechtigkeit, VS Verlag: Wiesbaden

Author: d.k.

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