Ein selbstgewählter Lebensstil als Menschenrecht

Die neuen Lebensphilosophien sind gekoppelt mit mehr Bewusstsein darüber, was in der kapitalistisch orientierten Gesellschaft passiert. Durch die Verbreitung von Informationen über soziale Medien und die Veränderung des Genres Dokumentarfilm, wissen immer mehr Menschen darüber Bescheid, wie die kapitalistische Wirtschaftsweise funktioniert.

Das der Mensch über den Konsum mit entscheidet was produziert wird, ist inzwischen Common Sense. Große Konzerne sind inzwischen dazu bereit viel in ihr Markenbranding zu investieren, um zu zeigen: Wir wirtschaften nachhaltig, ökologisch und tun etwas für die Gesellschaft! Inwieweit das nur Marketing ist, oder es einfach darum geht Menschen zu manipulieren ist eine andere Sache. Tatsache ist aber, dass bestimmte Themen im Mainstream angekommen sind, und es durch die Digitalisierung der Gesellschaft schwieriger ist, die Menschen zu manipulieren.

Die typischen Rollenmodelle, wie „Mann“ oder „Frau“ zu sein hat, lösen sich zusehends auf. Dass, wie der Mensch sein Leben, leben sollte, wird zwar in politisch unsicheren Zeiten  durch Populisten wieder verstärkt bemüht. Sie versuchen damit Sicherheit durch das Altbekannte zu vermitteln, Wir befinden uns aber einer Übergangzeit, ein Generationenwechsel findet statt. Männer und Frauen wollen selbst entscheiden, wann und ob sie eine Familie gründen, was für sie Familie ist und wie sie ihren Arbeitsalltag gestalten wollen, ob sie Vollzeit, Teilzeit, Selbstständig oder angestellt sein wollen. Die Lebensgestaltung ist individueller möglich.

Diese individuelle Lebensgestaltung ist ein Menschenrecht, im Grundrecht demokratischer Staaten verankert. 

Durch die Globalisierung wird ein Lebensstil des Wohlstandes und der Verschwendung von Ressourcen in alle  Welt transportiert, der inzwischen immer stärker infrage gestellt wird. Brand und Wissen (2011) haben das Konzept und die Begrifflichkeit der imperialen Lebensweise entwickelt, um die Problematik der wir uns in Zukunft gegenübersehen werden, zu beschreiben. Wenn alle diesen Lebensstil haben wollen, würden der Erde die Ressourcen ausgehen und die Umweltzerstörung wäre enorm. Es ist mit der Anziehungskraft dieses Lebensstils, wie bei vielen anderen Themen, wo das Ergebnis über den Weg dahin zu kommen gestellt wird. Der Weg wird ignoriert, und der Wohlstand ist aus menschlicher und ökologischer Sicht teuer erkauft.

Deshalb müssen auch Strategien erdacht werden, die auf globaler Ebene allen Menschen einen guten Lebensstil ermöglicht, ohne die Umwelt zu zerstören. Es bedarf einer Vorbildwirkung, denn wir können von anderen nicht etwas erwarten, was wir selbst nicht bereit sind zu tun. Uns einzuschränken und einen bewussten Lebensstil pflegen, damit andere einen qualitativ besseren und dem 21 Jht. angemessenen Lebensstil haben können. Dazu gehört auch Wissen, Ressourcen und Technologie zum Wohle aller, einfach zu teilen!

LOHAS sind eine immer grösser werdende Community, die im Gegensatz zu kleineren sehr interessanten Gemeinschaftsprojekten sichtbarer sind, weil sie die Wirtschaft als Zielgruppe entdeckt hat. Es sind die gut ausgebildeten, mit einem gewissen Wohlstand versorgten Menschen, die bewusst konsumieren und einen bewussten Lebensstil pflegen können. Alle sollten sich diesen Lebenstil, ohne Existenzsorgen haben zu müssen, leisten können. Neue soziale Ausgrenzung kann so vermieden werden. Umfassende Bildung und im besten Fall, ein weltweites bedingungsloses Grundeinkommen, oder eine bedingungslose gratis Grundsicherung für Wohnen, Energie, Bildung und Gesundheit, könnten das leisten.

Es gibt Einkaufsführer, Ratgeber und Blogs die einen einfachen, bewussten und sparsamen Lebensstil propagieren. Der Einkaufsführer von Fred Grimm (2008) „Shopping hilft die Welt verbessern“ bietet für jede Lebenslage Informationen über nachhaltiges Bewusstes Handeln. Es ist nicht nur das individuelle Glück, sondern auch die Auswirkungen auf die globale Gemeinschaft, auf andere Menschen Thema.

Aus den sogenannten Ökos, oder hierzulande „Birkenstock tragenden Alternativen“, ist inzwischen eine neue Generation herangewachsen, die, wie weiter oben bereits angeführt andere Möglichkeiten in der Lebensgestaltung wahrnimmt und Öko ist inzwischen „in“.

 Immer mehr Menschen mieten sich zum Beispiel ein kleines Stück Ackerland. Im Stern (Ausgabe 37/2016) erschien ein Artikel von Beatrix Gerstenberger über „.junge Städter die selbst Gemüse anbauen…“. Sie erzählt die Geschichte zweier junger Aussteiger, die ein Projekt gründen wollten, bei dem sich Menschen Ackergrund mieten können, um selbst Gemüse anbauen können. Die Bank lehnte ab, sie nahmen ihr Erspartes. Inzwischen läuft das Projekt gewinnbringend, und es gibt auf Ackerhelden.de Unterstützung in allen Belangen. Rundum Versorgung für die Selbstversorger.

Leben ohne Geld, oder Selbst ein Geldsystem einführen. Menschen die von Weggeworfenem leben, nicht aus der Not, sondern als Lebenseinstellung, weil sie die Verschwendung von z.B Lebensmitteln nicht mehr hinnehmen wollen. Speziell der Umgang mit #Foodwaste ist eine Frage der politischen Vorgaben. Die Gestaltung von Rahmenbedingungen ist Sache der Politik. Doch die kann nicht das Leben des Einzelnen bestimmen, nicht einmal in Diktaturen. Ausser wir machen so weiter wie bisher, dann werden Verbote der einzige Weg sein, um das Überleben auf einem menschenwürdigen Niveau für Alle zu ermöglichen.

Peter ( Bendixen,2012) bringt es in seinem Buch Zivilisationswende auf den Punkt: Damit es zu notwendigen Änderungen des Ganzen kommen kann, müssen die Denkrichtungen und Visionen der Politik in Einklang gebracht werden mit den Handlungen der Individuen und den daraus resultierenden sozialen Bewegungen. Für sich alleine ist der politische Rahmen nichts als eine leere Hülle; es bedarf der Substanz elementaren Gestaltungswillens.

Wer bestimmt was in der Politik passiert? Damit wird das Thema der mündigen, kritischen Bürgergemeinschaft relevant, denn Politik wird in Demokratien vom Volk mitgestaltet, aber nur insofern sie diese Möglichkeiten aktiv wahrnimmt und Politik gestaltet. Es sind noch immer Menschen, die die politischen Strukturen gestalten. Es ist daher wichtig, dass es realpolitisch möglich ist , und nicht nur virtuell, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ohne dafür diskriminiert zu werden, dieses auf Konkurrenz, Abgrenzung und kapitalistischem Gewinnstreben orientieren System abzulehnen.

Artikel 21

Nichtdiskriminierung

(1) Diskriminierungen, insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sind verboten. (EU-Grundrechtcharta)

Author: d.k.

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